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Fasziendistorsionsmodell nach Typaldos (FDM)

Vom Schmerz befreit

Interview mit Dr.Lukas Trimmel, Facharzt für physikalische Medizin und Rehabilitation, Osteopath, FDM-Instruktor über (Rücken-)Schmerzen, ihre Ursachen, neue Ansätze in der Schmerztherapie und das Geheimnis der Faszien (ORF Nachlese 2/2015)

Wozu braucht der Mensch Faszien?

Als Faszien bezeichnet man das Bindegewebe in weitestem Sinn, das den ganzen Körper als ein umhüllendes und verbindendes Spannungsnetzwerk durchdringt. Das Bindegewebe gibt uns Form und Stabilität, hält im Prinzip den ganzen Körper zusammen und erfüllt wesentliche Aufgaben in den Bewegungsabläufen.

Stimmt es, dass Faszien meist Schuld an Rückenschmerzen sind?

Ja. Die häufigste Ursache für Rückenschmerzen liegt in den Faszien. Die meisten Schmerzrezeptoren des Körpers sind im Bindegewebe. Aber nicht nur die Rezeptoren für Schmerzen, sondern auch die Rezeptoren für Bewegungssteuerung, Kraft und Koordination sind im Bindegewebe. Auch die Muskulatur ist von Bindegewebe durchzogen. Jede kleinste Muskelfaser hat eine bindegewebige Hülle. Wenn etwas schmerzt, ist es meist eine Störung im Bindegewebe.

Was bedeutet der Begriff "Fasziendistorsionsmodell (FDM)"?

Das Fasziendistorsionsmodell geht davon aus, dass es sechs mögliche Verdrehungen, Verformungen oder Verrenkungen, also Distorsionen der Faszien gibt. Ziel jeder Behandlung nach dem FDM ist es, die möglichen Störungen im Gewebe durch gezielte Behandlungstechniken mit den Händen im Bereich des Schmerzes wieder in Ordnung zu bringen.

In welchen Fällen kann eine FDM-Behandlung helfen?

Das Fasziendistorsionsmodell wird bei akuten Schmerzen durch Verstauchungen und Verrenkungen von Gelenken oder Sportverletzungen wie Bänderzerrungen, Prellungen, Muskelfaserrissen ebenso wie bei Rücken-, Schulter- und Nacken oder Kopfschmerzen angewandt. Auch bei Bewegungseinschränkungen sowie Symptomen wie Taubheitsgefühl, Kribbeln, Schwäche oder Instabilität wird es eingesetzt.

Wie sieht eine Behandlung bei Ihnen aus? Siehe auch 3 Säulen

Wenn der Patient zu mir kommt, ist die entscheidende Frage: Wo tut´s weh? Die Schmerzgestik und die Körpersprache des Patienten spielen dabei eine wichtige Rolle. Durch eine spezielle Deutung können diese intuitiven Gesten entschlüsselt werden und geben direkte Hinweise auf die Faszienverformungen. Eine Anamnese mit Bewegungstests ergänzt die Untersuchung. Nach Ausschluss etwaiger Kontraindikationen und einer genauen Definition des Behandlungsziels werden die Faszienverformungen durch gezielte Handgriffe korrigiert. Dabei wird teilweise mit starkem Druck auf bestimmte Punkte oder Bahnen gedrückt, Kompression oder Traktion im Bereich von Gelenken ausgeübt oder ganze Flächen behandelt.

Wie kann sich der Betroffene selbst helfen?

Das kommt sehr auf die Art der Fasziendistorsion an. Es gibt einige Fasziendistorsionen, die sehr gut auf Bewegung ansprechen. Die meisten unserer Patienten bekommen auch den Auftrag, sich zu bewegen. Denn Schonung oder Vermeidungsverhalten verschlechtern den Zustand der Faszien. Bewegung tut den Faszien gut. Denn das Bindegewebe braucht regelmäßig mechanische Reize. Es braucht Zug, Druck oder Verdrehung, um optimal zu funktionieren.

Was weiß man über Faszien?

Viel mehr als vor zehn Jahren, aber immer noch zu wenig. Man weiß auf jeden Fall immer mehr über die Bedeutung dieses Organs. Immerhin ist es das System, das uns zusammenhält. Derzeit wird auf dem Gebiet der Faszien immer mehr Forschung betrieben.

Welche Behandlungsansätze gibt es da?

Für die Faszien gibt es ganz unterschiedliche Behandlungsansätze. Man kann Faszien chirurgisch behandeln, indem man sie zusammennäht oder aufschneidet. Man kann sie ebenso von außen über bestimmte Massagetechniken oder über Training beeinflussen. Oder eben nach den Prinzipien des FDM. Entwickelt hat das Fasziendistorsionsmodell der amerikanische Arzt Stephen Typaldos, der mit Behandlungsergebnissen nach herkömmlichen Methoden unzufrieden war. Er hat damals eine Patientin gefragt: "Was glauben Sie, was ich machen soll, damit Ihre Schmerzen besser werden?" Daraufhin meinte die Patientin: "Vielleicht können Sie da mal drücken, das tut gut. Und vielleicht können Sie jetzt mit Ihrem Daumen diesen Strang entlang fahren." Nach Anweisung der Patientin konnte er sie damals mit einer Behandlung von ihren Schmerzen befreien. In weiterer Folge hat er erkannt, dass alle Patienten ähnliche Schmerzgestik verwenden und ihre Beschwerden ähnlich formulieren. Erst danach hat er sich überlegt, welche anatomische Struktur dabei wohl eine Rolle spielt und ist auf die Bedeutung der Faszien gestoßen. Das spannende an dieser Behandlung: Sie kommt vom Patienten. Typaldos´ Hypothese war, dass die Patienten über ein unterbewusstes Wissen über die Natur ihrer Beschwerden und sogar über geeignete Lösungsansätze verfügen, diese aber nicht ausreichend in Worte fassen können. Die ganze Therapie ist ein Zwiegespräch mit dem Patienten auf unterschiedlichen Ebenen. Denn der Patient ist der beste Arzt.